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Samstag, 16. September 2017

LG Dessau-Roßlau: Zur Haftung des Mieters, der ein Mietfahrzeug beschädigt

Das Landgericht Dessau-Roßlau hat entschieden, dass der Fahrer eines Mietfahrzeugs sich mit dessen Ausmaßen vor Fahrtantritt vertraut machen muss. Tut er dies nicht und kommt es wegen Missachtung der Durchfahrtshöhe zu einem Schaden, gilt dies als grob fahrlässig. So entschied das LG Dessau-Roßlau im Urteil vom 15.07.2016 (2 O 103/16).

Dem Mieter nützt es dann nichts, dass er vorher mit dem Vermieter eine Haftungsfreistellung (das ist ähnlich einer Vollkaskoversicherung) vereinbart hat. Denn wegen der grob fahrlässigen Herbeiführung des Schadens greift diese nur zum Teil. Hier war es so, dass der Mieter dem Vermieter die Hälfte des Schadens aus eigener Tasche hat ersetzen müssen.

Das Urteil habe ich in NZV 2017, 390 vorgestellt und besprochen. Zwischen einer Vollkasko und der Haftungsreduzierung bei einer Autovermietung gibt es einen großen Unterschied. Bei den Autoversicherern kann man in der Regel gegen einen Aufpreis auf die Versicherungsprämie den Einwand der groben  Fahrlässigkeit ausschließen. Bei Autovermietungen ist das heute meist nicht möglich.

Montag, 4. November 2013

Kasko-Versicherung: Werkstattbindung, Basis- und Premiumtarif - was ist für mein Auto richtig?

für Schäden am eigenen Auto
ist die Kasko-Versicherung da

 Geht es um die Frage, welche Policen für die Kfz-Versicherung welche Leistungen beinhalten oder ausschließen, zeigen sich die Leistungsunterschiede am deutlichsten bei der Kasko-Versicherung. Hier versichern billige Policen manche Risiken nicht mit. Billig kann so ganz schön teuer werden.


Werkstattbindung in der Kasko: günstige Versicherung bei voller Leistung
Vorweg dies: wirklich Geld sparen lässt sich mit der Werkstattbindung. Das hat eine Einschränkung für den Kunden zur Folge. Kommt es zu einem Versicherungsschaden, muss er bei der Versicherung anrufen und sich in eine Werkstatt vermitteln lassen.

 Er kann nicht einfach in einer Werkstatt seiner Wahl gehen, sonst kommt es zu erheblichen Abzügen bei der Entschädigung. Die muss der Kunde dann selbst tragen.

Hält er sich aber an die Regeln, wird sein Auto in eine fachlich hoch qualifizierte Werkstatt gebracht, die mit Original-Teilen und nach Herstellervorgaben repariert. Die Qualität der Arbeit entspricht der in einer Markenwerkstatt.

Der Vorteil der Werkstattbindung ist, dass der Versicherungsvertrag deutlich günstiger ist als ohne eine solche Bindung.

Man muss sich vorher also gut überlegen, was man im Schadensfall will. Und bei älteren Fahrzeugen, mit denen man ohnehin nicht mehr in eine Markenwerkstatt geht, lässt sich so gutes Geld sparen bei voller Leistung mit hoher Qualität.


Der Unterschied bei Kasko: Basis- und Premiumtarif
Fast alle Versicherungsgesellschaften bieten inzwischen Kaskoversicherungen in zwei Varianten an. Einmal ein Basis-Tarif mit den klassischen Leistungen. Allerdings auch der Einschränkung, dass es bei grob fahrlässig herbeigeführten Schäden zu einer Leistungskürzung kommt.

Dann gibt es auch einen Premiumtarif, der gelegentlich auch Plus-Tarif genannt wird. Hier gibt es Leistungserweiterungen, die im Fall des Falles sehr nützlich sind. Meist wird auf den Einwand grober Fahrlässigkeit bei der Schadensherbeiführung verzichtet. Der Klassiker ist hierbei die rote Ampel, die überfahren wird. Das gilt als grob fahrlässig, und hier spürt der Kunde schnell den Unterschied zwischen einer billigen und einer etwas teureren Versicherungspolice in der eigenen Geldbörse.

Aber auch gibt es hier Leistungserweiterungen, z.B. ist nicht nur die Kollision mit Wild versichert, sondern mit Tieren jeglicher Art (das ist von Gesellschaft zu Gesellschaft aber etwas verschieden). Auch der Zusammenstoß mit einem großen streundenen Hund kann das Auto ganz erheblich beschädigen, und hier zeigt sich dann eben auch der Unterschied zwischen billig und etwas teurer.


Was soll man tun?
Meine Empfehlung ist: lassen Sie sich von Ihrem Versicherungsberater gut darüber informieren, was genau für Leistungen die Ihnen angebotene Kasko-Versicherung beinhaltet und wie die Spielregeln sind. Gerade bei Verträgen mit Werkstattbindung ist das wichtig. Und dabei ist es egal, ob Sie über einen Versicherungsagenten oder einen unabhängigen Makler versichert sind - Beratung ist der entscheidende Punkt beim Vertragsabschluss. 

Montag, 30. September 2013

Winterreifen - die Zeit der Pflicht kommt

Der Volksmund sagte "schon immer", mann solle von Oktober bis Ostern Winterreifen am Auto haben. Das ist seit einigen Jahren auch gesetzlich so vorgeschrieben, und zwar in § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrsordnung. Wobei Winterreifen nicht ganz präzise ist, Ganzjahresreifen genügen den rechtlichen Anforderungen. Wer in gebirgiger oder sehr schneeträchtiger Landschaft unterwegs ist, dem empfehle ich trotzdem Winterreifen. Und bei dem der Winter klar  sehr, sehr schneeträchtig wird, der sollte sich zusätzlich noch Schneeketten ins Auto legen. Man weiß ja nie, ob man die nicht mal braucht.

Im Blog hatte ich schon mal thematisiert, dass man im Sommer durchaus mit Winterreifen fahren darf. Und wenn man die Reifen gewechselt hat, sollte man auch nach ca. 50 km die Schrauben nachziehen.

 In der Welt von heute steht ein recht informativer Artikel. Die Überschrift "Glätte: Ohne Winterreifen riskieren Autofahrer alles" finde ich etwas reißerisch. Aber der Inhalt ist gut.

Schnee auf den Straßen: jetzt brauchen wir Winterreifen!
Ich möchte das, was da steht, noch um eine Kleinigkeit ergänzen. Und zwar steht hier, dass man in der Kaskoversicherung seinen Versicherungsschutz riskiert, wenn man nicht mit Winterreifen unterwegs ist obwohl rechtlich dazu verpflichtet.

Das stimmt, und es stimmt meist doch  nicht.

Die Leistungskürzung ist erlaubt unter dem Gesichtspunkt der groben Fahrlässigkeit. § 81 Abs. 2 des Versicherungsvertragsgesetzes sieht das so vor, in den allermeisten Versicherungsbedingungen ist das auch umgesetzt.

Aber jeder Versicherer bietet heute einen Basis- und einen (etwas teureren) Premiumtarif für die Kasko an. In den Premiumtarifen wird auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit meist verzichtet (Ausnahme: Alkohol/Rauschmittel und Entwendung des Fahrzeugs).

Bitte sprecht mit Eurem Versicherungsvertreter oder Makler über den Versicherungsschutz. Ich empfehle, die (etwas, aber nicht viel) teureren Premiumtarife zu wählen. Im Zweifel, wenn man mal was falsch gemacht hat, lohnt sich das.

Allerdings ist so ein Versicherungsschutz kein Freifahrtsschein um mit der Bereifung zu schlampen. Einmal gibt es sonst Bußgelder, dazu ist im Artikel der Welt alles gesagt. Zum anderen darf man mit abgefahrenen Reifen nicht fahren. Das gilt, zumal Reifen ja nicht "plötzlich" abgefahren sind sondern meist schon länger, als Gefahrerhöhung. Und die berechtigt in der Tat auch, den Versicherungsschutz ganz oder zum Teil zu versagen. Und das geht auch, wenn die Versicherung auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit bei der Schadensherbeiführung eigentlich verzichtet.

Also: achtet auf Eure Bereifung, dass sie der Jahreszeit entspricht. Und achtet auch auf die Profiltiefe!

Sonntag, 15. September 2013

Hochwasser: wer bezahlt den Schaden am Auto?

Die Hagelsaison ist wohl vorbei. Aber im Sommer gab es auch viele Überschwemmungen. Daher möchte ich in diesem Zusammenhang noch einmal darauf zurück kommen, dass die Teilkasko echte Überschwemmungsschäden bezahlt.

Hierzu habe ich einen guten Artikel der Zeit aus 2010 gefunden.

  • Hochwasser gilt als Überschwemmung.
  • Damit ist grundsätzlich die Teilkasko zuständig.
  • Vorteil: es gibt keine Höherstufung beim Schadensfreiheitsrabatt wie bei der Vollkasko.
  • Wer keine Kasko für sein Auto abgeschlossen hat, muss den Schaden selbst bezahlen.
  • Hinweis: wer erkennen kann, dass sein Auto auf einem überschwemmungsgefährdeten Abstellplatz steht, sollte es unverzüglich wegfahren und hochwassersicher parken.
  • Passiert das nicht, sind zwei Szenarien denkbar:
  • Grobe Fahrlässigkeit: ganz sicher wird man das als grob fahrlässig einstufen können. Die Versicherung ist dann berechtigt, ihre Leistung zu kürzen. Wer keinen Billig-Tarif hat, sondern (wie die meisten Autobesitzer) ein Premium-Produkt, hat da allerdings Sicherheit. Die Versicherungen verzichten auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit, hier ist keine Leistungskürzung zu befürchten.
  • Vorsatz: hier muss die Versicherung überhaupt nicht bezahlen. Dabei reicht bedingter Vorsatz, also wenn der Autobesitzer die Überschwemmungsgefahr erkannt hat und sich sagte "und wenn schon". Wer in unmittelbarer Nähe eines Gewässers wohnt und sein Auto nicht wegbringt, riskiert hier seinen Versicherungsschutz. Ich finde das auch richtig - die Versicherungen sind nicht dafür da, wenn sich einer durch einen Hochwasserschaden absichtlich ein neues Auto finanzieren lassen will.

Achtung: wenn ihr Euer Auto in Überschwemmungsgebieten fahrt und eine große Wasserstelle kommt, nicht blind durchfahren. Es kann passieren, dass der Motor Wasser zieht und einen Wasserschlag bekommt. Dieser Schaden wird nicht aus der Teilkasko bezahlt.

Montag, 2. September 2013

Winterreifen im Sommer: erlaubt!

Kürzlich bin ich beruflich unterwegs gewesen. Mit dem Auto. Ich fuhr durch den Freistaat Bayern. Da höre ich gerne Antenne Bayern.

Da kam ein Bericht über die Nutzung von Winterreifen im Sommer. Hintergrund sind Meldungen in der Presse, nach denen man Winterreifen im Sommer nicht nutzen soll, da sie die Bremseigenschaften des Autos drastisch verschlechtern. Darauf hat wohl der ADAC hingewiesen.

Der Reporter meinte aber, wenn man im Sommer mit Winterreifen fährt, würde die Versicherung nicht zahlen wenn es kracht.

Das ist nicht richtig!

Es gibt keine Rechtsvorschrift die es verbietet, im Sommer mit Winterreifen zu fahren. Die Straßenverkehrsordnung kennt in § 2 Abs. 3a StVO nur eine Pflicht zu wintertauglicher Bereifung bei entsprechenden Witterungsbedingungen.

Der Reporter hat das wohl mit Versicherungs-Problemen vermengt, die auftauchen können, wenn - entgegen der Vorschrift in der Straßenverkehrsordnung - Leute bei Winterreifenpflicht mit Sommerreifen fahren. Hier hat mein Arbeitgeber in seinem Versicherungsblog klargestellt, was richtig ist: in Haftpflicht hat der Opferschutz Vorrang - ein Geschädigter erhält seine Entschädigung, auch wenn im Rechtsverhältnis zwischen Schädiger und dessen Kfz-Haftpflichtversicherer etwas nicht in Ordnung sein sollte.

Eine Unfallverursachung wegen Sommerreifen bei Winterreifenpflicht würde man als grob fahrlässige Herbeiführung des Schadensfalls ansehen. Die ist aber in der Haftpflichtversicherung - bei der es um Ansprüche eines Dritten geht - ganz klar mit versichert. Für den Versicherungsnehmer wäre das also auch unschädlich.

Wenn der Kunde permanent mit abgefahrenen Reifen unterwegs ist, wäre die rechtliche Beurteilung anders. Darum geht es mir heute aber nicht. Es geht nur um falsche Bereifung, aber mit ausreichend Profil.

Anders sieht es bei der Sachversicherung für das eigene Auto aus, die Kasko. Hier ist grobe Fahrlässigkeit in der Tat ein Grund, die Leistung zu kürzen. Voraussetzung ist aber, daß die falsche Bereifung ursächlich für den Unfall war.

Falsch ist es aufgrund der entsprechenden Vorschrift, bei bestehender Winterreifenpflicht mit Sommerreifen unterwegs zu sein. In den meisten Fahrzeugversicherungen verzichten die Versicherer jedoch auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit, so daß das für den Kunden praktisch unschädlich wäre.

Dies gilt nicht für die billigeren Verträge die sich "Basis-Tarif" oder "Classic" oder so nennen - hier kann grobe Fahrlässigkeit eine Rolle spielen, dafür zahlen die Kunden dann aber auch weniger Prämie. Ich schätze, daß dies eine einstellige Prozentzahl der Kasko-Versicherungskunden betrifft. Jenes "preisbewusste" Kundenklientel, dem nichts zu billig sein kann.

Es ist aber auch für diese Kunden nicht von Nachteil in der Kaskoversicherung, wenn sie im Sommer mit Winterreifen unterwegs sind. Da es für die warme Jahreszeit eine "Sommerreifenpflicht" nicht gibt, ist es nicht "falsch" im Sommer mit Winterreifen unterwegs zu sein. Es ist vielleicht nicht gut und vielleicht auch gefährlich - aber es ist nicht falsch im Sinne unserer Rechtsordnung.

Wen auch immer der Journalist von Antenne vor seiner Sendung um Rat gefragt hat - dieser Rat war nicht richtig. Ich möchte ihm aber schon ein Kompliment machen, daß er so ein Thema überhaupt in seine Sendung genommen hat. Das ist nämlich für Millionen von Autofahrern sehr wichtig.