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Mittwoch, 21. Oktober 2015

Lufthansa: Airline oder nur noch Pfründesicherung?

Dunkle Wolken ziehen sich zusammen!
Die Pilotenstreiks bei der Lufthansa haben in der letzten Zeit eines deutlich gemacht: Bei der Airline ist mächtig Druck im Kessel. Und ganz ehrlich: Mir ist inzwischen nicht mehr klar, ob es die Lufthansa in 10 Jahren noch geben wird. Ich glaube, dass hier in bestimmten Spartengewerkschaften und vielleicht auch bei anderen Bewohnern des Wolkenkukuksheimes Illusionen vorherrschen.

Timo Kotowski bringt es in einem Kommentar in der FAZ auf den Punkt. Im Prinzip kämpft jeder gegen jeden. Ich vermisse, dass der Kunde im Mittelpunkt des Interesses aller Beteiligter steht. Und das sage ich nicht nur als Beteiligter von außen, sondern eben auch als Kunde. Und ich schreibe darüber in meinem Blog, weil ich möchte, dass die Beteiligten sich mal besinnen, worum es eigentlich geht. Nämlich um Menschen wie mich, den Otto Normalverbraucher am Gate.

Ich verstehe ja diejenigen, die - verglichen mit anderen Beschäftigten in anderen Branchen - sehr gute Sozialleistungen und Gehälter für ihre Interessengruppe auch für die Zukunft gesichert haben möchten.

Aber eines sollte allen klar sein: Wenn wir Kunden nicht mehr darauf vertrauen können, dass die von uns gebuchte und auch gleich bezahlte Leistung erbracht wird, werden wir uns eine Alternative für die Flugreise suchen. Das ist eine Chance für andere Unternehmen. Und sind wir einmal weg, kommen wir so leicht auch nicht wieder.

Dann, liebe Interessenkämpfer für die eigene Klientel, wird es schwierig, dass die Lufthansa Eure Gehälter und Sozialleistungen bezahlen kann. Denn es fehlen die Einnahmen. Und wenn die Lufthansa durch Tarifverträge etc. verpflichtet ist, geht es bei der Gesellschaft selbst schnell auch ans Eingemachte. Wollt ihr das?

Und nein, ich spreche in dem Zusammenhang nicht über den "normalen" Flugbegleiter, der in den letzten 5 Jahren bei der Lufthansa zu arbeiten begonnen hat. Ich spreche auch nicht über all die Leute, die im Hintergrund für das Gelingen der Flüge sorgen. Die Beteiligten wissen, wen ich meine.

Mittwoch, 12. August 2015

Unternehmen lösen den Wohlfahrtsstaat ab?

In der Frankfurter Allgemeinen wird darauf hingewiesen, dass große Konzerne damit beginnen, Aufgaben des Wohlfahrtsstaates zu übernehmen. Darüber wird eine Debatte gewünscht.

Finde ich prima. Also mache ich mit einer These mit, die auf den ersten Blick wahrscheinlich nicht nur gefallen wird.

Das Funktionieren der sozialen Sicherungssystem ist eine Grundbedingung für die Akzeptanz des jeweiligen politischen Systems. Das gilt auch für eine Demokratie wie der unseren. Und gerade hier schmeißt unsere politische Eliten mit "sozialen Wohltaten" um sich, die in Wahrheit ein Sozialstaatsverbrechen sind. Das schafft kurzfristig Zustimmung in der Bevölkerung, damit werden Wählerstimmen gekauft. Langfristig schadet es der nachhaltigen Tragfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme und wird damit die Demokratie an ihrer Substanz einen Schaden zufügen.

Persönlich bin ich der Meinung, dass Wettbewerb immer eine gute Sache ist. Unterschiedliche Geschäftsmodelle können austesten, welches am besten ist. Und ich finde, dass auch sozialstaatliche Ideen sich dem stellen dürfen.

Insofern meine These: Google & Co. retten unserer Demokratie den Arsch.

Und zwar indem sie zeigen, wie es AUCH funktionieren kann ohne Umsummen zu verschlingen, die per Zwangsabgabe von der beglückten Bevölkerung eingetrieben werden müssen. Google & Co. sind nämlich Wirtschaftsunternehmen, die ihr Geld verdienen müssen ehe sie es ausgeben können.

Dass sie damit auch die Beförderung ihres eigenen Geschäftszweckes verfolgen, finde ich legitim. Denn das sollten die politischen Eliten in einer Demokratie auch - statt ihre nicht unterzubringenden Politiker mit lukrativen Jobs in Staatsbetrieben zu versorgen oder Wähler mit "sozialen Wohltaten" kaufen zu wollen.

Jedenfalls dann, wenn man den Geschäftszweck unserer politischen Eliten im Wohl des Volkes und in der Stärkung unserer Demokratie sieht. Und das tue ich persönlich.

Donnerstag, 4. Juni 2015

Pkw-Maut: Will die CSU, dass ihre Kumpels sich die Tasche vollmachen können?

Mautsysteme gibt es bereits!
In den Medien wird berichtet, dass es für die geplante Einführung der Pkw-Maut Gegenwind aus Brüssel gibt. Die FAZ berichtet, dass derzeit Kompromissvorschläge erörtert werden. Die CSU hatte sich schon im Vorfeld der letzten Bundestagswahl vehement dafür eingesetzt.

Ein Thema der Berichte ist, dass mit der Einführung der Pkw-Maut Kosten in Höhe von ca. 450 bis 500 Millionen Euro verbunden sind. In diesem Zusammenhang schreibt die FAZ: Der größte Teil entfällt demnach auf den Aufbau des elektronischen Systems, mit dem ein noch zu suchender Privat-Betreiber die Maut erheben soll. Hierfür seien laut Ministerium einmalig 321 Millionen Euro geplant.

Ein Privat-Betreiber soll gefunden werden, der die Maut für den Staat erhebt.  Mich erinnert das an die politischen Bestrebungen, die Autobahnen zu privatisieren. Ein Vorteil für Deutschland ist es nicht. Ein Vorteil ist das nur für die privaten Betreiber der Autobahnen, die Zeche zahlt der normale Bürger.

Eine der Lügen der CSU - heute gestützt von CDU und SPD aufgrund des Koalitionsvertrages - ist die Belastungsneutralität für den deutschen Bürger. Die Kfz-Steuer soll entsprechend gesenkt werden. Das Problem gerade bei klimafreundlichen Kleinwagen: die zahlen schon heute viel weniger Kfz-Steuer, als die Pkw-Maut kosten wird.

Dann: Warum muss für die Pkw-Maut ein neuer Betreiber gesucht werden, wenn es für die Lkw-Maut bereits ein funktionierendes System mit Betreiber gibt? Warum müssen noch einmal 450 bis 500 Millionen Euro dafür ausgegeben werden? Es gibt nur den einen Grund, dass man dieses Geld ausgeben möchte, um es den richtigen Leuten in die Tasche zu stecken.

Noch eine kritische Frage: Weshalb müssen künftig sowohl Pkw als auch Lkw die Maut zahlen - nicht aber Busse? Auch die nutzen die Autobahnen, warum sollen sie sich nicht an den Kosten beteiligen. Meiner Meinung nach ist dieses Ergebnis ein Beweis der Qualität von Lobbyarbeit der Busbetreiber. Sachlich gerechtfertigt ist diese Begünstigung nicht.

Meine Forderung: Es darf in Deutschland nur ein Maut-System geben, das für alle Fahrzeuge gilt.

Ursprünglich war angedacht, eine Vignette nach österreichischem Vorbild einzuführen, so das Wirtschaftsblatt im November 2013. Das scheint aber politisch nicht mehr gewollt zu sein. Auch hier hat die FAZ kürzlich dargelegt, dass sich Österreich durchaus als Vorbild lohnt.

Unterm Strich bleibt für mich folgender Eindruck: Die Pkw-Maut dient überhaupt nicht einer Gerechtigkeit bei den Kosten für unser Straßennetz. Es geht um Populismus, durch den kaschiert wird, dass eine Menge Geld in die Taschen der richtigen Leute gelenkt werden soll. Ich hoffe, dass kritische Journalisten hier noch recherchieren.

Dienstag, 7. April 2015

Das irre Geschrei der Politik entzweit die Menschen in Deutschland und Griechenland nicht!

Im März habe ich schon gesagt, dass so viele Deutsche nach Griechenland fahren wie noch nie. Solidarität heißt handeln, die Menschen fahren trotz politischem Geschrei um Reparationen und Unfähigkeit in der Schuldensituation in dieses schöne Land.

Jetzt berichtet der Spiegel, dass im letzten Jahr insgesamt 22 Millionen Touristen in Griechenland gewesen seien. Die Deutschen stellen mit 11% dabei die größte Gruppe. Persönlich bin ich stolz einer von ihnen gewesen zu sein.

Das finde ich schön und ich freue mich, dass es heuer so weiter gehen wird.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich Euch auf zwei Berichte in Medien der letzten Tage hinweisen. Einmal gibt es in der FAZ einen Reisebeicht über die Menschen im Gegenlicht. Und die Studentin Charlotte Gaschke berichtet in der Welt von ihren Erfahrungen im Studienjahr in Hellas. Absolut lesenswert!

Eines ist für mich klar: das irre Geschrei der Politik in Deutschland und in Griechenland berührt die Menschen nicht wirklich. Es entzweit Deutsche und Griechen nicht voneinander. All diese Führer in ihren tollen Ämtern mögen dem Wahlvolk befehlen was sie wollen - die große Mehrheit folgt ihnen nicht. Irgendwie beruhigt mich das sehr.

Mittwoch, 18. März 2015

Griechenland: Solidarität heißt handeln - fahrt nach Hellas in den Urlaub

Von wegen keine Solidarität: die Deutschen mögen Griechenland.

Mir geht die teilweise Stimmungsmache gegen die Griechen wegen Schulden und angeblicher Faulheit schon länger gegen den Strich. Und zwar ganz gewaltig. Das sei aber nur am Rande angemerkt.

Die FAZ berichtet heute, dass die Deutschen Griechenland mögen. Und das zeigen sie durch eine klare Entscheidung, über die nicht diskutiert werden kann: sie fahren dorthin in den Urlaub. Die Fakten sprechen halt für sich.

Damit ist für mich auch klar, dass jene Kräfte, die Deutsche und Griechen gegeneinander aufhetzen wollen, nicht gewinnen werden. Diese Kräfte nehme ich in deutschen Medien und Politikerkreisen wahr. Und es muß gesagt werden: ganz schlimm auch in griechischen Medien und Politikerkreisen.

Die Entscheidung der Deutschen, nach Hellas in den Urlaub zu fahren, ist aus meiner Sicht ein klarer Stinkefinger in Richtung der Hetzer in Medien und Politik. Und das zu Recht!

Dienstag, 17. März 2015

FAZ: Schutzbrief der Kfz-Versicherung meist günstiger als Automobilclub

Den ADAC wird ein Preisvergleich nicht freuen.
Ich möchte Euch auf einen Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hinweisen. Diese legt dar, dass ein Schutzbrief bei der Kfz-Versicherung meist günstiger ist als die Mitgliedschaft in einem Automobilclub. Den ADAC als dem größten derartigen Club wird dieser Bericht nicht freuen. Die anderen Clubs vermutlich auch nicht.

Nehmen wir den ADAC: die Mitgliedschaft dort kostet - je nach Variante - zwischen 49 € und 89 € im Jahr. Zum Teil werden damit die "gelben Engel" bezahlt, jene guten Helfer in der Not bei Unfall oder Panne.

Je nach gewähltem Leistungspaket kostet die Mitgliedschaft im ACE zwischen 62,80 € und 146,50 € im Jahr oder im AvD zwischen 44,90 € und 64,90 €. Das wären einige andere Automobilclubs, die sich mit ihren Preisen ungefähr im Rahmen dessen bewegen, was der ADAC kostet.

Die FAZ berichtet in ihrem Bericht, dass die Leistungen eines Schutzbriefes bei den Kfz-Versicherungen oft mit dabei sind, oder dass ein Schutzbrief nur wenige Euro im Jahr kostet. Sie spricht von 5 € bis 10 €, was im Vergleich zu den Mitgliedsbeiträgen eines Automobilclubs sehr günstig ist. Die Pannen- und Unfallhilfe ist damit im gleichen Maße abgedeckt. Allerdings, und hier widerspricht die FAZ sich ein wenig, weist sie auch auf Versicherer hin, die bis zu 60 €  für einen Schutzbrief verlangen.

Beruflich beschäftige ich mich momentan sehr mit dem Thema. Ich kann jedem Interessenten nur empfehlen, sich sehr genau damit zu befassen, was für das Geld geboten wird.

Die erste Frage, die man sich stellen sollte, lautet: was brauche ich überhaupt? Ein Beispiel: weltweiter Schutz klingt ja nett. Aber bin ich wirklich weltweit mit dem Auto unterwegs? 

Was Versicherungen beim Schutzbrief bieten, ist von Gesellschaft zu Gesellschaft etwas unterschiedlich. Ich empfehle, sich hier Abschnitt A.3 der Muster-Bedingungen für die Kraftfahrtversicherungen des GDV anzuschauen und mit dem eigenen Versicherungsvertreter oder Makler über den Punkt zu sprechen. Entsprechen die Bedingungen Ihres Versicherers den Musterbedingungen, sind sie schlechter oder - das gibt es auch - vielleicht besser? Und dann vergleicht das mit dem, was Euch der Automobilclub Eures Vertrauens für das Geld bietet.

Die FAZ weist noch darauf hin, dass die Hersteller ihren Kunden meist kostenlos einen Schutzbrief bieten. Denn Unfall- und Pannenhilfe sind in ihrer Mobilitätsgarantie enthalten. Die bekommen übrigens nicht nur, wie es in der FAZ steht, Nutzer eines Neuwagens. Bei den meisten Herstellern ist diese Mobilitätsgarantie auch dabei, wenn man die Inspektionen in einer Markenwerkstatt machen lässt. Sprechen Sie mit der Werkstatt Ihres Vertrauens über diesen Punkt. Dann benötigen Sie vielleicht weder einen Schutzbrief der Versicherung noch eine Mitgliedschaft in einem Automobilclub.

Donnerstag, 5. März 2015

Pkw-Maut: die Implosion eines Hirfurzes

Für 2014 versprach die Politik die Einführung der Pkw-Maut. Ein Versprechen, das bislang nicht gehalten wurde. An die angebliche "Belastungsneutralität" für uns Privatleute in Deutschland konnte man nie glauben. Die FAZ hat kürzlich eine "Inspektion" der Maut-Pläne gemacht. Nun berichtet der SPIEGEL, dass die von Verkehrsminister Dobrindt erarbeitete Variante gegen EU-Recht verstößt.

Die Einführung einer Pkw-Maut war ein Wahlkampfthema der CSU bei der letzten Bundestagswahl. Für mich war es immer der Hirnfurz von CSU-Chef Horst Seehofer. Verkehrsminister Dobrindt ist lediglich sein Vollstrecker. Mir scheint, dass sein Hirfurz nunmehr implodiert.

Sonntag, 25. Januar 2015

60 Milliarden Euro im Monat - die EZB geht einkaufen. Was bedeutet das für uns?

Frankfurt am Main - Sitz der EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat beschlossen, in großem Maße marode Staatsanleihen aufzukaufen.

Auf ihrer Homepage hat sie bekannt gegeben, dass sie ihre Zinssätze unverändert lässt. Dann heißt es, der Präsident der EZB werde "weitere geldpolitische Maßnahmen" auf einer Pressekonferenz verkünden. Das tat der auch.

Präsident Mario Draghi verkündete, dass die EZB ab März für monatlich 60 Milliarden Euro Staatsanleihen kaufen werde. Spiegel Online berichtet darüber, ebenso die Wirtschaftswoche und auch andere.

N-TV spricht von einer "Investition" der EZB. Unter einer Investition verstehe ich die Verwendung finanzieller Mittel, um damit ein vorhandenes Vermögen durch Erträge zu vermehren oder um die Gewinne eines Unternehmens zu steigern. Im weiteren Sinne mag man die europäische Union als Unternehmen verstehen. Aber ich glaube nicht, dass monatlich 60 Milliarden Euro einfach so vorhanden sind, die man ausgeben kann. Auch glaube ich nicht, dass dieses Programm die einzelnen Volkswirtschaften des Euroraumes nachhaltig stärkt und angleicht. Das ist auch gar nicht das Ziel dieses Programms.

Es geht darum, ökonomischen Druck von einzelnen Ländern zu nehmen, damit deren politischen Eliten mehr oder weniger machen können was sie wollen. Das aber ist kaum eine Investition. Die Überschrift von N-TV bedeutet für mich daher, dass politökonomische Propaganda gemacht wird um der Bevölkerung diesen Schritt zu verkaufen.

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) findet sich eine gute Analyse dieser Entscheidung von Lisa Nienhaus. Ganz teile ich ihre Analyse nicht, aber in zwei Punkten hat sie meines Erachtens Recht:
  1. Die stabile D-Mark zwang die deutsche Wirtschaft dazu, sich immer wieder neu anzupassen um mit ihren relativ teuren Produkten weltweit exportfähig zu sein.
    Die Politik setzte die Rahmenbedingungen und war nicht der "große Macher" im Detail. Die Menschen und Unternehmen kamen mit den Herausforderungen zurecht und konnten in eine gute Zukunft gehen. Wenngleich das nicht immer einfach war.
  2. Ohne eine Geldwertstabilität wie bei der D-Mark ist es fraglich, ob es sich lohnt zu sparen.
    Dass man gegenwärtig kaum mehr Zinsen bekommt  ist dabei das eine. Lege ich mir das Geld unters Kopfkissen oder zahle es auf mein Sparbuch ein, ich habe es noch. Bleibt sein Wert stabil, kann ich mir in 5 Jahren noch die selben Waren für 100 Euro kaufen wie heute. Verliert es aber an Wert - man nennt das Inflation - dann kann ich mir in 5 Jahren für 100 Euro waren kaufen, die ich heute vielleicht für 80 Euro bekommen würde. 
Lisa Nienhaus bringt es etwas moderater auf den Punkt. Sie schreibt: "Sparen lohnt sich nicht mehr so wie in einer Hartwährungswelt, weil der Ertrag geringer ist." In der Sache sagt sie - wenn ich sie richtig verstanden habe - aber nichts anderes als ich.

Was bedeutet das also für uns? Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank nimmt ökonomischen Druck von politischen Eliten in vielen Ländern. Für die politische Stabilität in der Eurozone mag das wichtig sein. Sich um die politische Stabilität in den einzelnen Ländern zu sorgen, gehört aber nicht zu den Aufgaben der EZB.

Ihre vorrangige Aufgabe ist es, Preisstabilität zu gewährleisten. Die Entscheidung, jetzt marode Staatsanleihen aufzukaufen, trägt nicht zu diesem Ziel bei.

Ob ökonomisch alles gut geht, oder - was ich eher glaube - nicht, wird sich zeigen. Möglicherweise stellt dieser Entscheid nichts geringeres dar als den Auftakt zum Schlusssatz der Symphone mit dem Namen "alte Wirtschaftsordnung". Ich bin mir sicher, dass Schulden irgendwann zurück bezahlt werden müssen. Bei Staatsschulden ist das eine recht komplexe Sache. Denn wenn sie nicht von den betroffenen Staaten bezahlt werden, gehen diejenigen, die diesen Staaten Geld geliehen haben, leer aus. Sie sind es faktisch dann, die diese Schulden bezahlen. Wenn das aber die EZB ist, zahlt am Ende doch der europäische Steuerzahler. Dafür ist er aber nicht da, und der Knall muss irgendwann viel größer werden als er es jetzt würde, wenn einzelne Staaten der Eurozone insolvent würden.

Und wer ist der Steuerzahler? Das ist jeder einzelne von uns. Würde man eine Umlage machen nach dem Motto "jeder zahlt x € ein und davon werden alle Schulden bezahlt", würden wir es merken. Das wird so nicht laufen. Vielmehr werden alle Umlagesysteme angezapft werden. Platt formuliert: es gibt weniger Rente. Und das, was ausbezahlt wird, wird auch weniger wert sein als es früher wert gewesen wäre.

Ob das schlimm ist, lässt sich nicht mit einem klaren Ja beantworten. "Schlimm" ist eine Bewertung. Wahrscheinlich leitet die EZB jetzt - ungewollt - das Sterben der bisherigen Ökonomie und die Geburt einer neuen Wirtschafts- und Sozialordnung ein. Denn beides ist eng verbunden.

Das ist wie bei der Geburt eines Kindes sowohl schlimm als auch gut. Schlimm sind die Schmerzen der Mutter. Gut ist, dass ein neues Geschöpf die Welt betritt und sie bereichert.


Für mich bedeutet diese Entscheidung der EZB daher nur, dass ich ihr nicht mehr vertrauen kann.

Nicht mehr, nicht weniger.

Alles weitere kann man gegenwärtig nicht prognostizieren. Es bleibt uns also gar nichts anderes übrig, als abzuwarten.