Samstag, 23. September 2017

Reparatur der Windschutzscheibe und Selbstbeteiligung in der Kasko: Der Kunde muss sich von seinem Versicherer in eine Werkstatt vermitteln lassen.

Im April hatte ich auf eine Entscheidung des AG Hannover hingewiesen. Diese ist nun mit einer von mir verfassten Besprechung in NZV 2017, 440 erschienen.

In der Sache ging es um die Reparatur einer Windschutzscheibe. Jemand hatte einen kleinen Schaden an der Frontscheibe. Er suchte die Filiale eines großen Autoglasers auf, der bundesweit mit Werbeaussagen wie "für Kaskoversicherte kostenlos" Werbung macht.

Der Kunde hatte allerdings in seiner Teilkasko eine Selbstbeteiligung vereinbart. Die Kosten für die Glasreparatur waren niedriger. Der Versicherer hat die Rechnung daher nicht bezahlt. Der Kunde hat den Versicherer daraufhin verklagt - und verloren.

Ich kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass auf Werbeaussagen von Werkstätten zu Leistungen einer Kaskoversicherung nicht blind vertraut werden sollte. Oft stimmen sie zwar - manchmal eben aber auch nicht. Und dann kann es teuer werden.

Samstag, 16. September 2017

LG Dessau-Roßlau: Zur Haftung des Mieters, der ein Mietfahrzeug beschädigt

Das Landgericht Dessau-Roßlau hat entschieden, dass der Fahrer eines Mietfahrzeugs sich mit dessen Ausmaßen vor Fahrtantritt vertraut machen muss. Tut er dies nicht und kommt es wegen Missachtung der Durchfahrtshöhe zu einem Schaden, gilt dies als grob fahrlässig. So entschied das LG Dessau-Roßlau im Urteil vom 15.07.2016 (2 O 103/16).

Dem Mieter nützt es dann nichts, dass er vorher mit dem Vermieter eine Haftungsfreistellung (das ist ähnlich einer Vollkaskoversicherung) vereinbart hat. Denn wegen der grob fahrlässigen Herbeiführung des Schadens greift diese nur zum Teil. Hier war es so, dass der Mieter dem Vermieter die Hälfte des Schadens aus eigener Tasche hat ersetzen müssen.

Das Urteil habe ich in NZV 2017, 390 vorgestellt und besprochen. Zwischen einer Vollkasko und der Haftungsreduzierung bei einer Autovermietung gibt es einen großen Unterschied. Bei den Autoversicherern kann man in der Regel gegen einen Aufpreis auf die Versicherungsprämie den Einwand der groben  Fahrlässigkeit ausschließen. Bei Autovermietungen ist das heute meist nicht möglich.