Sonntag, 7. Mai 2017

Frankreich hat gewählt - die Demokratie hat gewonnen

Die Franzosen haben ihren Weg gewählt.
Die Wahl beim großen Nachbarn im Westen ist beendet. Wie es scheint, wird Emmanuel Macron der künftige Präsident der République française sein.

Als ungewöhnlich empfand ich, dass sich in Deutschland alle möglichen politischen Kräfte gesinnungsmäßig vor der Wahl positioniert haben. Der Gipfel war, dass der deutsche Außenminister einen Teil der französischen Wähler als Ratten bezeichnet hat. Denn Macrons Gegenkandidatin Le Pen hat er eine Rattenfängerin genannt. So etwas darf vom deutschen Außenminister nicht kommen.

Für mich das Positive an dieser Wahl: Die Franzosen haben den bisherigen Eliten aus dem sozialistischen und dem bürgerlichen Lager eine klare Abfuhr erteilt. Sie haben dem neuen Präsidenten den Auftrag gegeben, Frankreich aus der strukturellen Verkrustung herauszuführen. Dabei hat dieser keine nennenswerte Unterstützung im Parlament. Diese muss er sich organisieren.

Die Parteien der alten Eliten sind damit nicht aus der Verantwortung entlassen. Die notwendige Cohabitation trägt die Gefahr eines Stillstandes in sich. Den kann Frankreich sich nicht leisten. Die alten Eliten haben vom Wähler aber die gelbe Karte für ihre Zukunft bekommen. Beteiligen sie sich nicht konstruktiv, werden sie vom Platz gestellt. Die Classe politique weiß das. Ich rechne mit ihrer Einsicht.

Für mich ist die Wahl in Frankreich insofern ein Frühling der französischen Demokratie. Auch unserer Demokratie würde es gut tun, wenn die alten Eliten vom Platz gestellt werden.