Freitag, 12. Dezember 2014

ADAC: mehr Transparenz oder mehr Mauschelei?

Gelber Engel - gelbe Bengel?
Die Skandale um den ADAC waren in diesem Jahr mehrfach Thema in meinem Blog.

Der Automobilclub hat am vergangenen Wochenende getagt. Ein "Radikalumbau" wurde versprochen. Zu den Ergebnissen der Hauptversammlung am 6. Dezember 2014 gibt es auch eine Pressemeldung, in welcher der ADAC diese vorstellt.

Darüber haben auch die Medien berichtet, so in der ZEIT, der TAZ oder das Manager Magazin. Die FAZ bemerkt spitz, der ADAC reformiere sich selbst. Die Augsburger Allgemeine fragt, ob der ADAC seine Pannen ausbügele.

Das Kernproblem des ADAC ist nach meinem Eindruck die fehlende Transparenz des eigenen Geschäfts für die Öffentlichkeit und die Mitglieder. Für die Zukunft verspricht der ADAC eine klare, transparente und nachvollziehbare Struktur. Verein und wirtschaftliche Aktivitäten sollen organisatorisch getrennt werden.

Nach meiner Meinung liegt genau hier der Knackpunkt.

Die heutige Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH des ADAC wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die dann die wirtschaftlichen Aktivitäten führt. Eine Stiftung wird vom ADAC neu gegründet, die 25,1 % der Aktien der neuen AG halten soll. Die restlichen Aktien gehören dann wohl dem ADAC e.V.

Formell sind die wirtschaftlichen Aktivitäten des Vereins dann aus diesem ausgelagert. Aber ist damit alles gut? Die neu zu gründende Aktiengesellschaft wird nicht börsennotiert sein. Auch wird nicht berichtet, dass die ADAC-Mitglieder Aktionäre und damit Miteigentümer der neuen Aktiengesellschaft werden könnten.

Und wer bestellt die Personen in den Aufsichtsrat, die dann die Kontrolle über die Aktivitäten der Aktiengesellschaft ausüben sollen?

Zu den bekannt gewordenen Skandalen konnte es nur deshalb kommen, weil die an den Aktivitäten des Clubs beteiligten Personen innerhalb des Clubs eigene wirtschaftliche Interessen an deren Gelingen hatten.

Ein Beispiel: der ADAC Hessen-Thüringen hat seinem Geschäftsführer ein Haus für 1,5 Millionen Euro gebaut. So berichtet es der Hessische Rundfunk. Das Gehalt ist natürlich entsprechend angepasst, damit er die Kaltmiete von 3.200 Euro problemlos zahlen kann und es hier zu keinem geldwerten Vorteil im Rahmen der Wohnung kommt.

Alles in Ordnung? Für einen auf Verbraucherschutz ausgerichteten Verein wohl kaum.

Geht der ADAC jetzt hin und stellt solche Zustände ab? Nein. Er richtet eine Aktiengesellschaft ein, die vom Verein und einer neu zu gründenen Stiftung (wer wird in der tätig?) kontrolliert wird und die der Kontrolle durch die Mitglieder entzogen ist. Die haben es eh schwer. Über die Klauseln, welche vielen Mitgliedern die demokratische Mitkontrolle ihres Vereins faktisch verunmöglichen, gab es in der Welt einen sehr interessanten Artikel. Ich empfehle dessen Lektüre.

Mein persönliches Fazit der angekündigten Reformen: das Versprechen von klaren und transparenten Strukturen scheint mir eine Marketingphrase zu sein, nicht mehr.

Durch die Verlagerung der wirtschaftlichen Aktivitäten von der (mit etwas Mühe für einzelne Mitglieder noch kontrollierbaren) Aktivität des Vereins in eine Stiftung und eine Aktiengesellschaft (wo das einzelne ADAC-Mitglied definitiv nichts zu bestellen hat) wird faktisch genau das Gegenteil erreicht.

Die neu zu schaffenden Strukturen werden noch intransparenter und einer demokratischen Kontrolle der ADAC-Mitglieder entzogen als die alten es sind. Das ist jedenfalls meine Meinung, die ich mir gebildet habe auf Basis von dem, was der ADAC selbst veröffentlicht hat.

Ein Radikalumbau sieht anders aus. Der angekündigte Umbau wird es schwerer machen, die Aktivitäten zu erkennen und nachvollziehen zu können. Dass dann noch darüber von den Medien berichtet wird, kann ich mir nicht vorstellen. Woher sollten die auch ihre Informationen beziehen?

Was der ADAC also erreichen wird, ist ein Weniger an negativer Publizität. Das Übel an den Wurzeln hat er nicht gepackt. Ich finde das schade.