Mittwoch, 4. September 2013

Denkt an die Steuer - auch wenn es um einen Privatverkauf im Internet bei eBay & Co. geht

Ich habe kürzlich vom Urteil des Bundesfinanzhofs vom 16.05.2013 (II R 15/12) erfahren. Darauf weise ich an dieser Stelle hin, weil ich denke das es für alle Leute wichtig ist, die auf eBay oder anderen Handelsplattformen im Internet gelegentlich Sachen verkaufen.

Ich tue das übrigens auch, mein Nic ist Martfeld. Deswegen interessiert mich die Sache und ich schreibe hier darüber.

Worum ging es?
Das Finanzamt wollte vom Betreiber einer Internetplattform (die ist im Urteil nicht genannt) Auskunft haben, welche derer Nutzer im Jahr Verkäufe für mehr als 17.500 € gemacht haben.

Ich vermute, die Nachfrage zielt auf das Thema Umsatzsteuer ab. Wer mit einem Gewerbe weniger als 17.500 € Umsatz im Jahr macht, darf das als Kleinunternehmer ohne Berechnung von Umsatzsteuer tun. Wessen Umsatz höher ist, der muss im Grunde die Steuer bei seinen Kunden berechnen und sie ans Finanzamt abführen. Das geht so aus § 19 UStG hervor.

Achtung: im Prozess ging es um Verkäufer aus Niedersachsen. Es soll aber niemand glauben, in anderen Bundesländern würden die Ämter schlafen. Im Prinzip muss in ganz Deutschland damit gerechnet werden, dass die Ämter sich jetzt Auskünfte einholen.

Was will das Finanzamt mit seiner Anfrage?
Genau weiß ich das nicht. Aber die Vermutung liegt nahe, dass es darum geht festzustellen, wo Umsatzsteuer hätte berechnet und ans Finanzamt abgeführt werden müssen. Die entsprechenden Verkäufer kann man dann zur Kasse bitten.

Allerdings kann es sein, daß denen auch ein Steuerstrafverfahren droht. Das ist noch unangenehmer als "nur" ein Zahlungsbescheid vom Finanzamt.

Welche Konsequenzen hat das Urteil für Leute, die bei eBay verkaufen?
Wer im Jahr Verkäufe für mehr als 17.500 € über eBay oder eine andere Plattform gemacht hat, wird nach dem Gesetz umsatzsteuerpflichtig. Das kann schnell gehen, z.B. wenn man Omas Haus geerbt hat und ihren Hausrat im Internet angeboten und verkauft hat.

Einzelfragen kann ein Steuerberater oder ein Fachanwalt für Steuerrecht beantworten.

Was ist zu tun, wenn man unter 17.500 € im Jahr liegt, aber wahrscheinlich im nächsten Jahr darüber kommt?
Es ist m.E. eine gute Idee, sich in dieser Situation mit dem Finanzamt in Verbindung zu setzen und sich eine Umsatzsteuer ID geben zu lassen. Das ist ein gewisser bürokratischer Aufwand, auch müssen Sie die Steuer in ihren Verkäufen einkalkulieren. Aber es hat auch Vorteile. Sie sind z.B. für Ihr Gewerbe zum Vorsteuerabzug berechtigt.

Wer den bürokratischen Aufwand scheut, der sollte mit seinem Jahresumsatz unter 17.500 € bleiben. Das gilt übrigens auch für andere Aktivitäten, z.B. wer nebenbei einen Verlag betreibt, Vorträge hält oder für Zeitungen schreibt. Seht zu, dass Eure Honorare insgesamt unter der Grenze bleiben wenn es lediglich ein kleiner Zusatz sein soll.

Was ist mit der Einkommenssteuer?
Dass man Einnahmen bei der Einkommenssteuer angeben muss, steht auf einem anderen Blatt als die Umsatzsteuer. Bei eBay Verkäufen ist der Gewinn die Einnahme. Völlig marginale Privatverkäufe können außen vor bleiben, aber wer sowas regelmäßig und in einer gewissen Höhe macht, sollte sich zum Thema beraten lassen.

Reicht ein Gewerbeschein nicht aus?
Nein, der Gewerbeschein hat nichts mit der Umsatz- oder Einkommenssteuer zu tun. Ob Sie den brauchen oder nicht, hängt davon ab, ob Sie bereits gewerblich handeln, oder ob das noch im Rahmen normaler Privatverkäufe liegt was sie da tun. Lassen Sie sich im Zweifelsfall dazu bei Ihrer Gemeinde beraten, die den Gewerbeschein erteilt. Zum Thema Gewerbeschein gibt es im Internet auch gute Informationen.

Wo kann ich mich im Internet zu diesen Themen erkundigen?
Wie immer kann die Suchmaschine Deines Vertrauens hier Dein Freund sein. Bleiben wir aber beim Thema Verkaufsplattformen. Persönlich finde ich hier das Informationsangebot von eBay toll. Ich verweise auf deren Seiten zu folgenden Themen:
Was sollte ich tun, wenn ich für mehr als 17.500 € Sachen verkauft habe und keine Umsatzsteuer berechnet?
Lassen Sie sich von einem Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrecht beraten. Haben Sie z.B. ein Auto oder eine andere große Sache privat verkauft, kommen Sie schnell über diese Grenze. Aber bei sowas sind sie noch nicht umsatzsteuerpflichtig. Haben Sie dagegen 1000 Kleinigkeiten verkauft, sieht die Sache schon anders an. Dann sollten Sie sich beraten lassen, wie man am besten vorgeht.

Meine Empfehlung ist, dass Sie sich im Zweifelsfall nach entsprechender rechtlicher Beratung beim Finanzamt melden und Selbstanzeige erstatten. Weiß man da noch nichts von Ihrer Verkaufstätigkeit, kommen Sie mit einem blauen Auge davon und es kostet "nur" Geld.

Bei der Steuer fordere ich ja gerne gleiches Recht / gleiche Pflicht für alle. Das kann eben auch bedeuten, dass besonders fleißige "Privatverkäufer"