Donnerstag, 22. August 2013

Lkw unter Brücke festgefahren - wer zahlt den Schaden?

Am 29.03.2013 berichtete Bild.de über einen Vorfall in Saarlouis. Ein Lkw berücksichtigte nicht, daß sein Zuggespann höher war als die Brücke, unter der er durchfuhr. Er blieb stecken.

Sowas kommt öfters vor als man denkt. Ich habe einen Bericht über so einen Vorfall am 05.02.2013 in Hamburg gefunden, auch hier blieb ein Lkw unter einer Brücke stecken. Das war unter der Bahnbrücke an der Bovestrasse.

Stellt sich die Frage wer den Schaden zahlt, ist die einfachste Antwort nicht falsch: der, der ihn angerichtet hat. Also der Fahrer. Denn der hat nicht aufgepasst.

Aber nicht falsch bedeutet nicht, daß diese Antwort auch ganz richtig ist. Das ist sie nämlich nicht. Das Zuggespann ist versichert. Und der Fahrer mag bei einem Fuhrunternehmen angestellt sein, dann muss sein Chef in die Tasche greifen. Denn er übt eine "gefahrgeneigte Tätigkeit" aus, was ihn davor bewahrt allzu tief ins Portemonnaie gucken zu müssen, wenn er in deren Rahmen einen Schaden verursacht.

Also die Versicherung ist dran. Aber welche?

Wer den Schaden an der Brücke bezahlt, ist ganz einfach zu beantworten. Das ist die Kfz Haftpflichtversicherung des Lkw. Die muss abgeschlossen sein, sonst dürfte das Gespann gar nicht erst auf die Straße. Sind Zugmaschine und Anhänger bei unterschiedlichen Versicherungsgesellschaften eingedeckt, werden diese sich den Brückenschaden teilen müssen.

Der Schaden an Zugmaschine und Anhänger ist nur über die Vollkasko versichert. Eine solche kann, muss aber nicht abgeschlossen werden. Gerade weil es aber Einschränkungen bei der Arbeitnehmerhaftung gibt (und die Fahrer zudem meist nicht so gut bezahlt werden, daß sie einige zehntausend Euro mal gerade aus der Tasche ziehen können), haben die meisten Fuhrunternehmen eine Vollkasko abgeschlossen.

Zu beachten ist, daß für das konkret beschädigte Teil des Fahrzeuggespanns eine Vollkasko bestehen muss. Hat der Anhänger keine Kasko, nützt es für den an ihm entstandenen Schaden nichts, wenn das Zugfahzeug eine Vollkasko hat. Und aus der Haftpflichtversicherung der Zugmaschine werden Schäden an anderen Fahrzeugen eines Gespanns auch nicht bezahlt.

Ein Problem gibt es für unseren Fahrer aber noch: die Durchfahrtshöhe einer Brücke unbeachtet zu lassen (die steht meistens dran), wird meist als grob fahrlässig zu bewerten sein. Die Kaskoversicherung kann sich in Fällen grober Fahrlässigkeit auf diese berufen und sagen, daß sie den Schaden am versicherten Fahrzeug nicht in voller Höhe ersetzt.

Glück hat der Fahrer allerdings, wenn das Zuggespann beim Marktführer im schweren Gewerbe versichert ist. Dort wird auf den Einwand grober Fahrlässigkeit verzichtet (Ausnahme: der Basis-Tarif, zu dem sich aber kein Spediteur eindecken wird weil sich das von der Prämienersparnis her im Gegensatz zu privaten Pkw nicht lohnt). Nicht jeder Kfz Versicherer deckt Lkw oder Zuggespanne ein. Meine Empfehlung ist, sich beim Chef genau zu diesen Punkt zu erkundigen.

Ist die Spedition aber richtig versichert, bleibt für den Fahrer nur noch ein Schaden: das Gespött seiner Kollegen, wenn sowas passiet. Denn es ist jenseits aller rechtlichen Bewertungen ziemlich dämlich, wenn man in eine Durchfahrt fährt die für das eigene Fahrzeug nicht hoch genug ist.